Thema 2: Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, und Biotechnologie
Ziel ist der Aufbau einer europäischen wissensgestützten Bio-Wirtschaft (Knowledge Based Bio Economy). Dabei bezieht sich der Begriff der „Bio Wirtschaft“ auf alle Unternehmen und Wirtschaftssektoren, die biologische Ressourcen erzeugen, bewirtschaften und anderweitig nutzen sowie auf verwandte Dienstleistungen und Unternehmen, wie landwirtschaftliche Betriebe ,die Lebensmittel-, Fischerei- und Forstindustrie, die Erzeugnisse anbieten bzw. selbst verbrauchen. Die Erreichung dieses Ziels erfolgt durch die Zusammenführung von Wissenschaft, Industrie und anderen Interessengruppen zur Erkundung neuer und sich abzeichnender Forschungsmöglichkeiten, die sich mit den gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen befassen. Diese beinhalten:
- die wachsende Nachfrage nach sichereren, gesünderen und hochwertigeren Lebensmitteln, deren Erzeugung dem Tierschutz und dem ländlichen Umfeld
Rechnung trägt
- die nachhaltige Produktion und Verwendung nachwachsender Bio-Rohstoffe
- die wachsende Gefahr von Epizoonosen und Zoonosen sowie von lebensmittelbedingten Dysfunktionen
- die Gefährdung der Nachhaltigkeit und Sicherheit der landwirtschaftlichen Erzeugung, der Aquakultur und der Fischerei u.a. aufgrund von Klimaänderungen
- die wachsende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln unter Berücksichtigung der Tiergesundheit, des ländlichen und küstennahen Umfelds
und der Art, spezifische Konsumentenbedürfnisse zu befriedigen.
Diese Inhalte münden in drei Förderschwerpunkte (Säulen), die im Folgenden näher erläutert werden.
Nachhaltige Erzeugung und Bewirtschaftung der biologischen Ressourcen aus Böden, Wäldern und der aquatischen Umwelt
Erforschung der wichtigsten langfristigen Faktoren für eine nachhaltige Erzeugung und Bewirtschaftung biologischer Ressourcen (Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere): Nutzung der biologischen Vielfalt und neuartiger bioaktiver Moleküle, „-omik“- Technologien (Genomik, Proteomik, Metabolomik) und konvergierende Technologien und deren Einbindung in die Systembiologie, Entwicklung grundlegender Instrumente und Technologien (Bioinformatik, Datenbanken, Nachweis von Varietäten innerhalb von Artengruppen).
Stärkung der Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit bei verringerten Umweltauswirkungen in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur: Entwicklung neuer Technologien, Geräte, Überwachungssysteme, neuartiger Pflanzen und Produktionssysteme; Schaffung besserer wissenschaftlicher und technologischer Grundlagen für die Fischereiwirtschaft; Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Systemen durch die ganzheitliche Betrachtung von Ökosystemen. Schwerpunkte bei den biologischen Bodenressourcen: organische Produktionssysteme mit geringen Einträgen, bessere Ressourcenbewirtschaftung, neuartige Futtermittel und Pflanzen (inkl. Forschungsarbeiten zur biologischen Sicherheit, Koexistenz und Rückverfolgbarkeit), Verbesserung der Pflanzengesundheit. Schwerpunkte bei biologischen Ressourcen der aquatischen Umwelt: biologische Funktionen, Produktionssysteme, Futtermittel, Fischereibiologie, Auswirkungen der Fischerei auf das marine Ökosystem, Bewirtschaftungssysteme.
Optimierung der Tiererzeugung und des Tierschutzes in Landwirtschaft, Fischerei und Aquakultur, u. a. durch die Anwendung von Wissen aus der Genetik,Zuchtverfahren, Tierphysiologie; das Verhalten von Tieren und die Bekämpfung von ansteckenden Tierkrankheiten, wie Zoonosen (Instrumente für ihre Überwachung, Prävention und Bekämpfung; Impfstoffe und Diagnoseverfahren; Ökologie von Krankheitserregern); Auswirkungen unterschiedlicher Anbausysteme und des Klimas; Entsorgung von Tierabfällen und Handhabung der Nebenprodukte.
Bereitstellung der Instrumente, die politische Entscheidungsträger und andere Akteure für die Umsetzung entsprechender Strategien, politischer Maßnahmen und Vorschriften benötigen, und die vor allem für den Aufbau der europäischen wissensgestützten Biowirtschaft sowie für die Entwicklung des ländlichen Raums und der Küstengebiete notwendig sind. Die Gemeinsame Fischereipolitik wird durch die Entwicklung anpassungsfähiger Konzepte unterstützt, die die ganzheitliche Betrachtung von Ökosystemen bei der Nutzung mariner Ressourcen zum Ziel haben.
„Vom Tisch bis zum Bauernhof“: Lebensmittel, Gesundheit und Wohlergehen
Untersuchung des Verbraucherverhaltens in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelindustrie und die Auswirkungen von Lebensmitteln auf Gesundheit und Wohlergehen: Wahrnehmung der Verbraucher und ihre Einstellung zu Lebensmitteln; Untersuchung gesellschaftlicher Trends; Ermittlung, der für die Wahl der Lebensmittel und des Verbraucherzugangs zu Lebensmitteln ausschlaggebenden Faktoren.
Erforschung von Ernährungsfaktoren und Ernährungsgewohnheiten als wichtiger kontrollierbarer Faktor bei der Entwicklung und Abnahme ernährungsbedingter Krankheiten und Dysfunktionen: Entwicklung und Anwendung der Nutrigenomik und Systembiologie; Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Ernährung, physiologischen und psychologischen Funktionen; Untersuchung herkömmlicher, lokaler und saisonbedingter Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten. Mögliche Ziele: Neuzusammensetzung verarbeiteter Lebensmittel; Entwicklung neuartiger Lebensmittel; Ausarbeitung integrierter Ernährungsleitfäden.
Optimierung der Innovation in der europäischen Lebensmittelindustrie durch Entwicklung neuer Technologien für die herkömmliche Lebensmittelproduktion, die Verbesserung der Funktion von Lebensmitteln, die umweltfreundliche Verarbeitung und Verpackung, intelligente Kontrollen und die effizientere Bewirtschaftung von Nebenprodukten, Abfall und Energie (unter Einbeziehung von Futtermitteln).
Gewährleistung der chemischen und mikrobiellen Sicherheit und Verbesserung der Qualität in der Lebensmittelversorgung in Europa (mikrobielle Ökologie, die Integrität der Lebensmittelketten, Abschätzung, Beherrschung, Mitteilung und Wahrnehmung von Risiken). Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt durch eine bessere Erforschung der Umweltauswirkungen auf und von Lebensmittel( n) bzw. Lebensmittelketten: Untersuchung von Lebensmittelkontaminierungen und deren gesundheitlichen Folgen, Auswirkungen von Lebensmitteln und Lebensmittelketten auf die Umwelt, Warenketten, Konzepte für die totale Kontrolle der Lebensmittelkette, inklusive Verbraucheraspekten.
Biowissenschaften und Biotechnologie im Dienste nachhaltiger Non-Food- Erzeugnisse und Verfahren
Verbesserte auf Biomasse und Pflanzen basierende erneuerbare Energiequellen: Stärkung der Wissensgrundlage und Entwicklung moderner Technologien für die Biomasseerzeugung (Land und Wasser) für die Energiegewinnung und für industrielle Zwecke: Dies beinhaltet Pflanzen-, Tier- und mikrobielle Genomik und Metabolomik zur Verbesserung der Produktivität und Zusammensetzung von Rohstoffen und Biomasse im Hinblick auf eine optimale Umwandlung in Produkte mit hohem Mehrwert auch unter Nutzung natürlicher oder verbesserter Organismen. Hierunter fällt die Lebenszyklus-Analyse von Anbaupraktiken ,die Untersuchung von Transport und Lagerung sowie der Marktfähigkeit von Produkten der Biotechnologie. Entsprechend werden Fragen der Anwendung der industriellen Biotechnologien innerhalb der gesamten Pflanzenkette behandelt, um das Potenzial des Bioraffinerie-Konzepts unter Einbeziehung sozioökonomischer, agronomischer, ökologischer und verbraucherrelevanter Aspekte voll ausschöpfen zu können. Hierzu tragen verstärkt Forschungsarbeiten zum zellulären und subzellulären Stoffwechsel von Pflanzen und Bakterien bei. So können für die Erzeugung hochwertiger Produkte Bioprozesse und biokatalytische Prozesse entworfen werden, die zu einer Verbesserung der Erträge, Qualität und Reinheit der Umwandlungsprodukte führen. Darüber hinaus werden Biotechnologien für neuartige und verbesserte qualitativ hochwertige und erneuerbare Produkte und Verfahren der Forstwirtschaft eingesetzt bzw. entwickelt, um die Nachhaltigkeit von Wäldern und der Holzproduktion, auch von erneuerbaren Bioenergiebeständen zu erhöhen. Einen weiteren Forschungsgegenstand bildet schließlich das Potential der Biotechnologie zur Erkennung, Überwachung, Vermeidung, Behandlung und Entfernung von Verschmutzungen unter besonderer Beachtung der Maximierung des Wirtschaftswertes von Abfall und Nebenprodukten mit Hilfe von Bioverfahren allein oder in Kombination mit Pflanzensystemen und/oder chemischen Katalysatoren.
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