Thema 1: Gesundheit
Thema 1 zielt auf die Verbesserung der Gesundheit der europäischen Bürger sowie die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Erhöhung der innovativen Kapazitäten der im Gesundheitssektor tätigen europäischen Unternehmen, auch mit Blick auf globale Gesundheitsfragen, wie neu auftretende Epidemien. Schwerpunkte bilden die translationale Forschung (die Übertragung der Ergebnisse der Grundlagenforschung in klinische Anwendungen, einschließlich der wissenschaftlichen Validierung der experimentellen Ergebnisse) und die Entwicklung und Validierung neuer Therapien und Verfahren für Gesundheitsförderung, Prävention, einschließlich der Förderung gesunden Alterns, Diagnoseinstrumente und medizinische Technologien, sowie nachhaltige und wirksame Gesundheitssysteme. Den strategischen Fragen „Gesundheit von Kindern“ und „Gesundheit der alternden Bevölkerung“, wird themenübergreifend besonderes Augenmerk geschenkt.
Diese Zielstellung bildet sich in den Förderschwerpunkten (Säulen) des Themas 1 ab, die im Folgenden näher erläutert werden:
Biotechnologie, generische Instrumente und medizinische Technologien für die menschliche Gesundheit
In diesem Themenbereich sollen die Instrumente und Technologien entwickelt und validiert werden, die für die Erzeugung neuer Erkenntnisse und deren Umsetzung in praktische Anwendungen in der Gesundheitsfürsorge und der Medizin benötigt werden.
Hochdurchsatzforschung: Entwicklung neuer Forschungsinstrumente für die moderne Biologie, die die Datengenerierung sowie die Standardisierung, Beschaffung und Analyse von Daten und Proben (Biobanken) deutlich verbessern. Im Fokus sind neue Technologien z.B. für Sequenzierung, Genexpression, Genotypisierung, Phänotypisierung, Bioinformatik, Systembiologie, verschiedene „–omiks“.
Erkennung, Diagnose, Monitoring: Entwicklung von Instrumenten und Technologien für die Visualisierung, Bild gebende Verfahren, den Nachweis und die Analyse in der biomedizinischen Forschung, für die Vorhersage, die Diagnose, das Monitoring und die Prognose von Krankheiten sowie zur Unterstützung und Begleitung therapeutischer Maßnahmen. Schwerpunkt ist ein multidisziplinärer Ansatz zur Integration von Bereichen wie Molekular– und Zellbiologie, Physiologie, Genetik, Physik, Chemie, Nanotechnologie, Mikrosysteme, Geräte- und Informationstechnologien. Wert gelegt wird auf nicht bzw. minimal invasive und quantitative Verfahren sowie Fragen der Qualitätssicherung.
Innovative therapeutische Konzepte und Behandlungen: Untersuchung, Konsolidierung und Weiterentwicklung fortschrittlicher Therapien und Technologien mit großer potenzieller Anwendungsbreite. Schwerpunkt sind u. a. die Gen- und Zelltherapie, regenerative Medizin, Transplantation, Immunotherapie und Impfstoffe. Behandelt werden auch verwandte Technologien, wie fortschrittliche gezielte Verabreichungssysteme, moderne Implantate und Prothetik sowie nicht oder minimal invasive technologiegestützte Eingriffe.
Prognosen zur Eignung, Sicherheit und Wirksamkeit von Therapien: Entwicklung und Validierung von Parametern, Instrumenten, Verfahren und Normen zur Versorgung des Patienten mit sicheren und wirksamen neuen Arzneimitteln aus der Biomedizin (bei herkömmlichen Arzneimitteln sollen diese Fragen im Rahmen der Gemeinsamen Technologieinitiative "Innovative Medicines Initiative" behandelt werden). Schwerpunkte sind in-silico-, in-vitro- und in-vivo-Verfahren und Modelle, einschließlich Simulationen, Pharmakogenomik sowie Alternativen zu Tierversuchen.
Forschung zur Übertragung grundlegender Erkenntnisse im Dienst der menschlichen Gesundheit
Ziel ist es, mehr Erkenntnisse über die biologischen Prozesse und Mechanismen in Gesundheit und bestimmten Krankheiten zu gewinnen, dieses Wissen in klinische Anwendungen zu übertragen und sicherzustellen, dass die klinischen Daten für weitere Forschungsarbeiten genutzt werden.
Integration biologischer Daten und Prozesse: großmaßstäbliche Datenerhebung, Systembiologie (einschließlich Modellierung komplexer Systeme):
• Einsatz von Hochdurchsatztechnologien zur Generierung von Daten, zum besseren Verständnis der Funktion von Genen und Genprodukten sowie deren Wechselwirkungen in komplexen Netzen. Schwerpunkt sind Genomik, Proteomik, Populationsgenetik, komparative und funktionelle Genomik. • Multidisziplinäre Forschung zur Entwicklung und Anwendung von Systemkonzepten, um so biologische Prozesse verstehen und modellieren zu können (Systembiologie).
Erforschung des Gehirns und seiner Krankheiten, der Humanentwicklung und des Alterns:
• Bessere Erforschung der integrierten Struktur und Dynamik des Gehirns, von Hirnerkrankungen und neuen Therapien. Schwerpunkte sind die Untersuchung der Hirnfunktion (von den Molekülen bis zur Wahrnehmung) sowie die Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen und Dysfunktionen und relevanter altersbedingter Krankheiten • Erforschung der lebenslangen Entwicklungsprozesse und des Alterns in Gesundheit. Schwerpunkt ist die Untersuchung von Human- und Modellsystemen, einschließlich ihrer Wechselwirkungen mit Faktoren wie Umwelt, Verhalten, Geschlecht.
Translationale Forschung bei Infektionskrankheiten: Bekämpfung schwerwiegender Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit:
• Resistenzen gegen antimikrobielle Arzneimittel: Verknüpfung der Grundlagenforschung auf den Gebieten Molekularmechanismen der Resistenz, mikrobielle Ökologie und Wirt-Erreger-Wechselwirkung mit der klinischen Erforschung neuer Maßnahmen zur Reduzierung des Auftretens und der Verbreitung von multiresistenten Infektionen. • HIV / AIDS (einschließlich Koinfektionen mit Hepatitis C), Malaria und Tuberkulose: Entwicklung neuer Therapien, Diagnoseverfahren, präventiver Impfstoffe und chemischer Übertragungshemmer. Besonderer Wert wird auf präklinische und frühklinische Forschungstätigkeiten gelegt. • Potentiell neue und wieder auftretende Epidemien: Bekämpfung neu auftretender Krankheitserreger mit pandemischem Potenzial, einschließlich Zoonosen. • Vernachlässigte Infektionskrankheiten
Translationale Forschung bei sonstigen schweren Krankheiten:
• Krebs: Ätiologie der Erkrankung, Zielstrukturen und biologische Marker für Arzneimittel für die Prävention, Frühdiagnose und Behandlung, Bewertung von Prognose, Diagnose und Therapie. • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Multidisziplinäre Konzepte für Diagnose, Prävention, Behandlung und Überwachung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. • Diabetes und Adipositas: Ätiologie, Prävention und Behandlung der verschiedenen Diabetesarten. Der Adipositas-Schwerpunkt liegt bei multidisziplinären Konzepten unter Einbeziehung von Genetik, Lebensstil und Epidemiologie. • Seltene Krankheiten: Entstehung und Pathophysiologie; Entwicklung von Präventions-, Diagnose- und Therapiemaßnahmen; seltene Phänotypen verbreiteter Krankheiten. • Sonstige chronische Krankheiten: Schwerpunkte liegen bei nicht tödlich verlaufende Krankheiten, die sich jedoch erheblich auf die Lebensqualität im Alter auswirken, wie funktionelle und sensorische Beeinträchtigungen, und sonstige chronische Krankheiten (wie rheumatische Erkrankungen).
Optimierung der Gesundheitsfürsorge für die europäischen Bürger:
Ziel ist es, die notwendigen Grundlagen bereitzustellen, auf die sich fundierte gesundheitspolitische Entscheidungen und wirksamere Strategien zur Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention, Diagnose und Therapie stützen können.
Bessere Gesundheitsförderung und Prävention: Bereitstellung von Nachweisen zur Optimierung der Maßnahmen, die das öffentliche Gesundheitswesen ergreifen kann. Schwerpunkte bilden gesundheitsrelevante Faktoren im weitesten Sinne und deren Wechselwirkung. Besonderes Augenmerk gilt der mentalen Gesundheit unter dem Gesichtspunkt ihrer lebenslangen Erhaltung.
Übertragung klinischer Erkenntnisse auf die klinische Praxis: Verbesserter Einsatz von Arzneimitteln, Anpassung von Verhalten und Organisation, verbesserte Gesundheitstherapien und Technologien. Besonderes Augenmerk gilt der Patientensicherheit. Schwerpunkte sind das Benchmarking von Strategien, die Auswertung der Ergebnisse unterschiedlicher Maßnahmen, einschließlich Arzneimittel und deren Überwachung, spezielle Merkmale der Patienten sowie Kostenfragen.
Qualität, Solidarität und Nachhaltigkeit von Gesundheitssystemen: Bereitstellung von Grundlagen für die Anpassung der nationalen Gesundheitssysteme angesichts der Erfahrungen anderer Länder, unter Berücksichtigung der nationalen Zusammenhänge und Bevölkerungsmerkmale. Schwerpunkte sind die organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Aspekte der Gesundheitssysteme sowie deren Umsetzung und Ergebnisse in Bezug auf Effizienz, Wirksamkeit und Gleichbehandlung. Besonderes Augenmerk gilt den Investitionen und Humanressourcen.
Horizontale Koordination und Unterstützungsmaßnahmen zur "Optimierung der Gesundheitsfürsorge für die europäischen Bürger": Diese kleinen und zielgerichteten Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahmen sollen dazu beitragen, die Ziele zur "Optimierung der Gesundheitsfürsorge für die europäischen Bürger" zu erreichen.
Spezifische internationale Kooperationsmaßnahmen zur Gesundheitssystemforschung: Forschung soll unterstützt werden, um die wissenschaftliche Grundlage für die Verbesseung der Gesundheitssysteme in den sog. "International Cooperation Partner Countries" (ICPC) zu gewährleisten. Dies soll auch Konzepte des öffentlichen Gesundheitswesens sowie Interventionen im Bereich der Gesundheitsfürsorge durch sektorübergreifende und multidisziplinäre Forschungsansätze abdecken.
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